Eine Autostunde nördlich von Lyon wird die Landschaft enger. Die weiten Felder der Saône-Ebene weichen kurzen, steilen Hügeln, jeder bis zur Kuppe mit Reben bestanden, dazwischen Seitentäler, in denen man keine hundert Meter weit sieht. Hier liegen die zehn Crus des Beaujolais: alle in der nördlichen Hälfte des Anbaugebiets, alle auf Böden, die vom Granit bestimmt sind, alle mit derselben Rebsorte bepflanzt, dem Gamay noir à jus blanc.
Ein Cru ist hier eine Gemeindeappellation, ein Dorfname, der zur eigenständigen Appellation aufgestiegen ist. Es sind zehn, von Süd nach Nord: Brouilly, Côte de Brouilly, Régnié, Morgon, Chiroubles, Fleurie, Moulin-à-Vent, Chénas, Juliénas und Saint-Amour. Régnié kam als letzter dazu, Ende der 1980er Jahre. Der übrige, weiter südlich gelegene Teil des Gebiets bringt Beaujolais und Beaujolais-Villages hervor, auf eher lehmig-kalkigem Untergrund. Dieser geologische Wechsel, Granit im Norden, Kalk im Süden, erklärt am besten, warum die Weine einander nicht gleichen.
Alles liegt sehr dicht beieinander: von einem Ende der Crus zum anderen sind es rund zwanzig Kilometer Luftlinie. Nur sind es zwanzig Kilometer schmaler Straßen, die steigen, fallen und sich winden, ein ganzer Tag ist also nicht zu viel. Die folgende Abfolge beginnt am südlichsten Aussichtspunkt und zieht nach Norden bis ins Département Saône-et-Loire.
Die Stationen unten sind mit Geodaten versehen. Klicken Sie auf „Auf der Karte“, um einen Ort zu verorten, oder auf „Route“, um die Strecke ab Ihrem Standort zu starten.
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Mont Brouilly
Eine einzeln stehende Kuppe mitten in den Reben, knapp unter 500 Meter, oben eine kleine Kapelle. Das Gestein ist hart und bläulich, anders als der Granit, der weiter nördlich bestimmend wird. Vom Gipfel liest sich der ganze Süden des Weinbaugebiets auf einen Blick: die fächerförmig abfallenden Rebzeilen, die Saône-Ebene und bei klarem Wetter die Alpen im Hintergrund. Hier fängt man an, weil man die Karte versteht, bevor man sie abfährt.
Der Punkt ist ungefähr gesetzt, auf der Seite von Odenas: er markiert den Berg, nicht den Parkplatz oben. Die schmale Straße hinauf beginnt in den Dörfern am Fuß.
Rund 50 km ab Lyon, in der Größenordnung von 50 Minuten über die Autobahn und dann Landstraßen. Ohne Auto hält der Regionalzug in Belleville-en-Beaujolais am Fuß des Gebiets, die Cru-Dörfer selbst haben jedoch keine Anbindung: nötig sind Fahrrad, Taxi oder Mietwagen.
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Beaujeu
Der Ort, der der ganzen Region ihren Namen gegeben hat, in einem Seitental abseits der Cru-Linie. Eine Appellation ist er nicht: Beaujeu war Sitz der Herren von Beaujeu und hat bis heute seine romanische Kirche, alte Häuser und eine Talatmosphäre, die mit den Hängen nichts gemein hat. Ein kurzer Abstecher, der den Namen auf jedem Etikett wieder einordnet.
Beaujeu liegt deutlich westlich der Cru-Achse. Für Hin- und Rückweg vom Weinbaugebiet sind etwa zwanzig Minuten Fahrt zu rechnen.
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Villié-Morgon
Das Dorf hinter dem Morgon, vor allem aber der Fuß der Côte du Py, einer Kuppe aus verwittertem Schiefer, der ins Braunrot geht. Dieses brüchige Gestein nennen die Winzer hier roche pourrie, faulen Fels, und es kommt in jedem Gespräch vor: ihm schreibt man üblicherweise das Gerüst und die Lagerfähigkeit zu, die dem Morgon nachgesagt werden.
Der Punkt markiert den Ortskern, keine Stelle im Weinberg. Die Côte du Py sieht man sehr gut von den Straßen, die nordöstlich aus dem Dorf hinaufführen.
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Fleurie
Ein Dorf, das sich um seinen Kirchturm drängt, darüber eine Kapelle auf einem Rücken aus rosa Granit. Der Name hilft dem Ruf sicher, doch das gängige Bild vom Fleurie, ein Wein, der gern leichter und duftiger ausfällt als die direkten Nachbarn, ist genau die Beschreibung, die man in der Gegend am häufigsten hört.
Der Punkt markiert den Ortskern. Steigen Sie zur Kapelle hinauf: von dort sieht man am besten, wie die Crus ineinandergreifen.
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Terrasse von Chiroubles
Die höchstgelegene der zehn Appellationen, um die 400 Meter, mit einer angelegten Terrasse und einer Orientierungstafel über dem gesamten Weinbaugebiet. Bei klarer Luft reicht der Blick bis zu den Alpen. Chiroubles ist außerdem das Dorf von Victor Pulliat, dem Ampelographen des 19. Jahrhunderts, dessen Arbeit beim Wiederaufbau des Weinbergs nach der Reblaus zählte.
Die Höhe merkt man: ein paar Grad kühler als unten, und fast immer Wind. Auch im Sommer eine Schicht mehr einpacken.
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Juliénas
Hier wechselt man in den Norden des Gebiets, hügeliger, mit enger werdenden Hängen und verstreuten Weilern. Die örtliche Überlieferung führt den Namen auf Julius Caesar zurück, was so viel wert ist wie Dorfetymologien im Allgemeinen. Saint-Amour, der letzte Cru vor dem Burgund, liegt wenige Fahrminuten entfernt.
Der Punkt markiert den Ortskern. Die Straßen zu den Weilern sind schmal und ohne Bankett: verbreiterte Rebwege, auf denen man langsam fährt.
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Romanèche-Thorins
Letzte Station, schon im Département Saône-et-Loire. Hier steht die Mühle, die dem Moulin-à-Vent den Namen gab, auf einer Kuppe aus rosa Granit, seit langem ohne Flügel, aber weiterhin aufrecht. Chénas, oft als flächenmäßig kleinster der zehn bezeichnet, beginnt direkt nebenan.
Zur Mühle führt eine kleine Straße mitten durch die Reben. Umrunden lässt sie sich in wenigen Minuten, und der Blick nach Osten lohnt den Halt. Auch der Hameau Duboeuf im ehemaligen Bahnhof lässt sich besichtigen: Öffnungszeiten und Preise auf der offiziellen Website prüfen.
1. Der Mont Brouilly, um die Karte vor der Fahrt zu lesen
Eine einzeln stehende Kuppe mitten in den Reben, knapp unter 500 Meter, oben eine kleine Kapelle. Ihr Gestein ist hart und bläulich und hebt sich deutlich vom Granit ab, der weiter nördlich bestimmend wird.
Der Abstecher lohnt nicht nur wegen der Aussicht, so weit sie auch ist: auf der einen Seite die Saône-Ebene, auf der anderen die Linie der Crus, die nach Norden zieht, und bei klarer Luft die Alpen im Hintergrund. Vor allem ist es der einzige Punkt der Runde, von dem aus man die Gesamtgeografie sieht. Sobald man wieder in den Seitentälern steckt, fehlt jede Übersicht.
Der Punkt auf der Karte ist ungefähr gesetzt, auf der Seite von Odenas: er markiert den Berg, nicht den Parkplatz oben. Die schmale Straße hinauf beginnt in den Dörfern am Fuß.
2. Beaujeu, der Ort, der allem anderen den Namen gab
Beaujeu ist keine Appellation, und genau deshalb lohnt der Umweg. Der Ort liegt in einem Seitental, abseits der Cru-Linie, und war Sitz der Herren von Beaujeu, einer im Mittelalter mächtigen Herrschaft, mächtig genug, um einer ganzen Weinbauregion ihren Namen zu hinterlassen.
Es gibt eine romanische Kirche, alte Häuser und eine Talatmosphäre, die mit den besonnten Hängen nebenan nichts zu tun hat. Für Hin- und Rückweg von der Cru-Achse sind etwa zwanzig Minuten Fahrt zu rechnen. Ein kurzer Halt, der das Wort, das man anschließend auf jedem Etikett liest, an seinen Ursprung zurückstellt.
3. Villié-Morgon und die Côte du Py
Zurück in den Crus, und gleich in einen der meistbesprochenen. Villié-Morgon ist das Dorf hinter dem Morgon, doch das eigentliche Thema ist der Hügel darüber: die Côte du Py, ein Rücken aus verwittertem Schiefer, der ins Braunrot geht und so brüchig ist, dass die Winzer vor Ort ihn roche pourrie nennen, faulen Fels.
Dieses Gestein kommt hier in jedem Gespräch vor, und ihm schreibt man üblicherweise das Gerüst und die Lagerfähigkeit zu, die dem Morgon nachgesagt werden. Nehmen Sie es als das, was es ist: eine in der Region breit beschriebene Tendenz, kein Gesetz. Der Punkt markiert den Ortskern und keine Stelle im Weinberg; die Côte du Py sieht man gut von den Straßen, die nordöstlich aus dem Dorf hinaufführen.
4. Fleurie und seine Kapelle
Ein Dorf, das sich auf rosa Granit um seinen Kirchturm drängt, darüber eine Kapelle, die kilometerweit als Orientierungspunkt dient. Der Name hilft dem Ruf sicher, doch das gängige Bild vom Fleurie, ein Wein, der gern leichter und duftiger ausfällt als die direkten Nachbarn, ist auch das, was man vor Ort am häufigsten hört.
Steigen Sie zur Kapelle hinauf, und sei es kurz. Von dort begreift man am besten, wie die Crus ineinandergreifen: Chiroubles darüber, Morgon darunter, Moulin-à-Vent auf der anderen Seite, alles innerhalb weniger Kilometer. Auch hier markiert der Punkt den Ortskern.
5. Die Terrasse von Chiroubles
Chiroubles ist die höchstgelegene der zehn Appellationen, um die 400 Meter. Das Dorf hat eine Terrasse mit Orientierungstafel angelegt, die über das gesamte Anbaugebiet blickt, und bei klarem Wetter reicht die Sicht bis zu den Alpen. Nach dem Mont Brouilly ist das der beste Panoramapunkt der Runde, und er kostet nichts.
Chiroubles ist außerdem das Dorf von Victor Pulliat, einem Ampelographen des 19. Jahrhunderts, dessen Arbeit beim Wiederaufbau des französischen Weinbaus nach der Reblauskrise zählte. Wen das Thema interessiert: Wir haben ihm einen eigenen Artikel gewidmet, es ist eine der folgenreichsten Episoden der europäischen Weingeschichte.
Die Höhe merkt man: ein paar Grad kühler als unten, und fast jedes Mal Wind. Auch im Sommer eine Schicht mehr einpacken.
6. Juliénas und der Norden des Gebiets
Hier wechselt man in die nördliche Hälfte, hügeliger und stärker gefaltet. Die Hänge werden enger, die Weiler verstreuen sich, und die Straßen werden deutlich schmaler. Die örtliche Überlieferung führt den Namen Juliénas auf Julius Caesar zurück, was so viel wert ist wie Dorfetymologien im Allgemeinen, doch die Geschichte hält sich hartnäckig und man wird sie Ihnen erzählen.
Von dort ist Saint-Amour, der letzte Cru vor dem Burgund, wenige Minuten entfernt. Vorsicht beim Fahren in diesem Abschnitt: Die Straßen zu den Weilern sind schmal und ohne Bankett, es sind verbreiterte Rebwege, und hinter der Kurve kommt einem Landtechnik entgegen. Der Punkt markiert den Ortskern.
7. Romanèche-Thorins und die Mühle
Letzte Station, schon im Département Saône-et-Loire. Hier steht die Mühle, die dem Moulin-à-Vent den Namen gab: ein Steinturm auf einer Kuppe aus rosa Granit, seit langem ohne Flügel, aber weiterhin aufrecht mitten in den Reben.
Eine kleine Straße führt hin, umrunden lässt sie sich zu Fuß in wenigen Minuten, und der Blick nach Osten lohnt den Halt. Chénas, oft als flächenmäßig kleinster der zehn bezeichnet, beginnt direkt nebenan. An diesem Punkt hat man die meisten der zehn Appellationen durchquert oder gestreift, fast ohne es zu merken, so dicht liegen sie beieinander.
Im Ort liegt außerdem der Hameau Duboeuf, ein großer Erlebnisort rund um Wein und Rebe, untergebracht im ehemaligen Bahnhof von Romanèche-Thorins. Er lässt sich besichtigen und spricht besonders Familien an. Öffnungszeiten, Öffnungssaison und Preise prüfen Sie vor der Fahrt am besten auf der offiziellen Website des Hameau Duboeuf.
Anreise ab Lyon
Mit dem Auto sind es rund 55 km und in der Größenordnung einer Stunde bis ins Herz der Crus, über die Autobahn und dann Landstraßen. Das ist die realistische Lösung: Die Dörfer liegen nahe beieinander, aber die Verbindungen sind langsam.
Mit dem Zug erreicht der Regionalverkehr Belleville-en-Beaujolais am Fuß des Gebiets. Ein guter Ausgangspunkt, aber sagen wir es deutlich: Die Cru-Dörfer selbst haben keinen öffentlichen Verkehr. Ab dem Bahnhof braucht es Fahrrad, Taxi oder Mietwagen. Mit dem Rad sind die Höhenmeter real, das ist keine Tour durch die Ebene.
Und zur Verkostung: Wer fährt, verkostet nicht. Auf einer Runde, die Dorf an Dorf reiht, ist die einfachste Antwort ein bestimmter Fahrer oder der Zug bis Belleville und ein örtliches Verkehrsmittel ab dort. Ausspucken gehört zum Verkosten dazu, niemand nimmt daran Anstoß, und die Verkostungsräume sind es gewohnt. Ein Tag in den Crus bemisst sich daran, was man verstanden hat, nicht daran, was man getrunken hat.
Zurück in Lyon
Die Crus erschließen sich besser, wenn man weiß, wonach man sucht. Wer sich vor der Abfahrt orientieren möchte: Unser Beitrag zur Geschichte des Gamay erzählt, wie eine lange verachtete Rebsorte zur einzigen des gesamten Gebiets wurde, und unser Dossier zum Beaujolais Nouveau erklärt, warum dieser Novemberwein mit den zehn hier besprochenen Appellationen nichts zu tun hat.
Und wer lieber mit den Grundlagen anfängt, bevor es in die Weinberge geht: Eine Einführung ins Verkosten liefert handfeste Anhaltspunkte, beim Vokabular wie bei den Handgriffen. Unser Rundgang findet in Gewölbekellern im Lyoner Viertel Guillotière statt und dauert deutlich kürzer als die Hin- und Rückfahrt ins Beaujolais.