Rund dreißig Kilometer südlich von Lyon, am linken Ufer der Rhône, liegt Vienne: der einfachste Römerausflug, den man von der Stadt aus machen kann. Eine Klarstellung vorweg, weil der Name irreführt: Gemeint ist nicht Wien in Österreich und auch nicht die Stadt im Département Vienne, sondern Vienne im Département Isère, in der Nähe von Lyon. Auf Latein hieß sie Vienna, und sie war eine der reichsten Städte des römischen Gallien.
Leicht wird der Tag durch die Geografie. Der Regionalzug TER verbindet Lyon mit Vienne in kurzer Fahrt, und ab dem Bahnhof geht alles zu Fuß. Ein fast vollständiger Tempel mitten auf einem Platz, ein in den Hang gegrabenes Theater und am anderen Ufer ein ganzes antikes Viertel, das ebenerdig freiliegt: viel für eine Stadt dieser Größe.
Alle Etappen sind unten mit Geodaten hinterlegt. Klicken Sie auf „Auf der Karte“, um einen Ort zu verorten, oder auf „Route“, um die Navigation zu starten.
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Augustus-und-Livia-Tempel
Ein römischer Tempel, der mitten auf einem Platz steht, korinthische Säulen inklusive. Er hat überlebt, weil man ihn zur Kirche und später zum öffentlichen Gebäude umgenutzt hat, statt ihn als Steinbruch zu verwenden.
Gehen Sie einmal ganz herum: die Fassade wirkt aus der Ferne, das antike Mauerwerk aus der Nähe.
Wenige Gehminuten vom Bahnhof von Vienne im Département Isère, südlich von Lyon.
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Kathedrale Saint-Maurice
Ihre lange Fassade steht zum Rhône-Kai hin. Der Bau zog sich über Jahrhunderte, und das sieht man: Der Blick nach oben führt im Kirchenschiff von der Romanik in die Gotik.
Die Portale wurden in den Religionskriegen verstümmelt, die Spuren sind bis heute lesbar.
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Kreuzgang Saint-André-le-Bas
Ein romanischer Gang um einen quadratischen Garten, abseits des Lärms. Die skulptierten Kapitelle nimmt man sich am besten einzeln vor, und der Hof bleibt kühl, wenn die Stadt aufheizt.
Ein guter Halt am Vormittag, wenn man fünf Minuten sitzen möchte.
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Antikes Theater von Vienne
In den Hang gegraben, eines der größten Theater des römischen Gallien. Man steigt die Ränge hinauf, und darunter ordnet sich die Stadt, mit der Rhône im Hintergrund.
Hier findet das Festival Jazz à Vienne statt; während des Bühnenaufbaus kann der Zugang anders geregelt sein.
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Aussichtspunkt Mont Pipet
Der Hügel direkt über dem Theater, mit seiner Kapelle. Von oben versteht man die Geografie von Vienne auf einen Schlag: der Fluss, die alte Stadt, die Ränge von hinten gesehen.
Es geht bergauf. Vernünftige Schuhe und eine Pause, bevor es weitergeht.
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Archäologische Stätte Saint-Romain-en-Gal
Am anderen Rhône-Ufer, im Département Rhône, liegt ein ganzes antikes Viertel frei: Straßen, Lagerhallen, Häuser mit Mosaiken, Werkstätten. Das Museum daneben zeigt die abgenommenen Bodenbeläge.
Der Kartenpunkt bezeichnet die Gemeinde, nicht den Eingang: Folgen Sie nach der Fußgängerbrücke der Beschilderung.
Von Vienne aus überquert man die Rhône zu Fuß über die Fußgängerbrücke.
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Pyramide des römischen Zirkus
Ein Obelisk auf einem Sockel mit vier Bögen, im Süden der Stadt. Er stand auf der Mittelbarriere des römischen Zirkus; die lokale Überlieferung sah darin lange das Grab des Pontius Pilatus.
Der logische letzte Halt vor der Rückfahrt, denn er liegt auf dem Weg zurück zum Zentrum.
1. Der Augustus-und-Livia-Tempel, mitten in der Stadt
Das ist der Auftakt, der sitzt. Man verlässt den Bahnhof, geht ein paar Minuten, und ein vollständiger römischer Tempel steht mitten auf einem Platz, umgeben von Geschäften und Caféterrassen. Korinthische Säulen, Giebel, Freitreppe: die ganze Silhouette ist da.
Erhalten hat er sich durch fortwährende Umnutzung. Erst Kirche, dann über die Jahrhunderte andere öffentliche Funktionen, nie Steinbruch, anders als die meisten antiken Bauten der Gegend. Nehmen Sie sich die Zeit, ihn ganz zu umrunden: Aus der Ferne liest man die Fassade, aus der Nähe das Mauerwerk.
2. Die Kathedrale Saint-Maurice, zum Fluss hin
Ein paar Straßen tiefer richtet die Kathedrale Saint-Maurice ihre lange Fassade zur Rhône aus. Der Bau zog sich über Jahrhunderte, und das sieht man: Das Kirchenschiff wechselt im Weitergehen die Sprache, von der Romanik in die Gotik.
Schauen Sie sich die Portale an, bevor Sie hineingehen. Die Figuren wurden in den Religionskriegen verstümmelt, und die Beschädigungen wurden nie geglättet. Es ist einer der seltenen Orte, an denen die bewegte Stadtgeschichte direkt vom Stein abzulesen ist, ganz ohne Infotafel.
3. Der Kreuzgang Saint-André-le-Bas, die kühle Pause
Der Kreuzgang Saint-André-le-Bas ist klein, und genau das macht ihn angenehm. Ein romanischer Gang, ein quadratischer Garten und skulptierte Kapitelle, die man wirklich einzeln betrachten kann, weil sie auf Augenhöhe liegen.
Es ist auch der beste Ort des Vormittags, um sich fünf Minuten hinzusetzen. Der Hof bleibt kühl, wenn die Stadt aufheizt, und der Verkehrslärm hört am Eingang schlagartig auf.
4. Das antike Theater, an den Hang gelehnt
Weiter nach Osten und bergauf. Das antike Theater von Vienne ist in die Flanke des Mont Pipet gegraben, nach klassischem römischem Prinzip: den Hang nutzen, statt die Ränge aufzumauern. Es zählt zu den größten Theatern des römischen Gallien, und die Dimension spürt man vor allem beim Aufstieg.
Von den oberen Rängen ordnet sich die Stadt darunter, mit der Rhône im Hintergrund. Hier findet jedes Jahr das Festival Jazz à Vienne statt: Während des Bühnenaufbaus kann der Zugang anders geregelt sein, ein Blick vorab lohnt sich.
5. Der Aussichtspunkt Mont Pipet, um die Stadt zu verstehen
Direkt über dem Theater führt der Hügel weiter hinauf zur Kapelle auf dem Mont Pipet. Es ist ein echter Anstieg, aber der Ausblick fügt den ganzen Tag zusammen: der Fluss, die Altstadt und die Ränge des Theaters von hinten gesehen.
Vernünftige Schuhe und oben eine Pause einplanen. Der Abstieg ins Zentrum geht danach von selbst.
6. Saint-Romain-en-Gal, ein Römerviertel unter freiem Himmel
Das ist der Teil, der am meisten überrascht. Man überquert die Rhône zu Fuß über die Fußgängerbrücke, wechselt Ufer und Département und steht vor einem kompletten antiken Viertel, ebenerdig freigelegt: Straßen, Lagerhallen, Läden, Werkstätten, Häuser mit Mosaikböden. Das angrenzende Museum zeigt die abgenommenen Bodenmosaike und setzt den Grundriss wieder in Zusammenhang.
Hier begreift man, dass Vienne keine kleine Provinzstadt mit ein paar Monumenten war, sondern eine Siedlung, die sich über beide Flussufer erstreckte.
Eine Anmerkung zur Orientierung: Der Kartenpunkt bezeichnet die Gemeinde Saint-Romain-en-Gal, nicht den genauen Eingang zur Grabungsstätte. Folgen Sie nach der Fußgängerbrücke der Beschilderung.
7. Die Pyramide des römischen Zirkus, auf dem Rückweg
Im Süden der Stadt steht die Pyramide, ein Obelisk auf einem Sockel mit vier Bögen, heute mitten in einem ganz gewöhnlichen Viertel. Sie stand auf der Mittelbarriere des römischen Zirkus, also auf der Achse, um die die Wagen wendeten.
Die örtliche Überlieferung sah darin lange das Grab des Pontius Pilatus, wofür es keinerlei Beleg gibt. Als letzter Halt des Tages passt sie gut, denn sie liegt auf dem Rückweg ins Zentrum und zum Bahnhof.
Den Tag organisieren
- Anreise: TER-Züge fahren von Lyon nach Vienne, die Fahrt ist kurz und der Bahnhof liegt zentral. Mit dem Auto sind es rund dreißig Kilometer am linken Rhône-Ufer entlang. Der Zug ist bequemer, weil alles Weitere zu Fuß geschieht.
- Reihenfolge: morgens im Zentrum beginnen, vor der Hitze zum Theater und zum Pipet aufsteigen, Saint-Romain-en-Gal für den Nachmittag aufheben. Das ist die kräfteschonendste Richtung.
- Schließtage: Grabungsstätten und Monumente haben jeweils eigene Öffnungszeiten, manche schließen an einem Wochentag. Vorher prüfen, nicht erst vor Ort.
- Der Markt: Vienne hat einen in der Region gut beleumundeten Markt, groß genug, um das Zentrum umzukrempeln. Sehen Sie nach, auf welchen Tag er fällt, je nachdem, ob Sie ihn erleben oder umgehen wollen.
- Das Gefälle: Die Altstadt ist flach, Theater und Pipet sind es überhaupt nicht. Schuhwerk entsprechend wählen.
Zurück in Lyon
Vienne funktioniert gut als Tagesausflug: Man fährt am späten Nachmittag zurück und ist abends wieder in Lyon. Wer länger bleibt, findet in unserem Beitrag was man an einem Wochenende in Lyon unternimmt einen Rahmen für die nächsten zwei Tage, und der gastronomische Leitfaden für Lyon übernimmt beim Thema Essen.
Und falls der Tag Lust gemacht hat zu verstehen, was in diesem Rhônetal wächst, dem Sie gerade gefolgt sind: der Rundgang im Museum liegt im Lyoner Viertel Guillotière, und die Seite mit den praktischen Infos nennt Öffnungszeiten und Anfahrt.
Vienne erschließt man sich zu Fuß, erzählen tut die Stadt sich selbst.